Text zu: Follow me

Eine documenta Paraphrase von Pierre Huyghes Beitrag Untilled zur dOCUMENTA (13)

Pierre Huyghe: Untilled, dOCUMENTA 13, 2012

2012 war der französische Künstler Pierre Huyghe mit der Arbeit Untilled in der letzten documentain Kassel, der dOCUMENTA (13) unter der künstlerischen Leitung der US-amerikanischen Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev vertreten. Untilled bedeutet soviel wie unkultiviert, nicht beackert, nicht bestellt, unbebaut. Auf dem Areal der Kompostieranlage der Kasseler Karlsaue installierte Huyghe eine Anordnung pflanzlicher, mineralischer, tierischer und menschlicher Elemente. Inmitten einer üppigen Flora aus psychoaktiven Pflanzen stapelten sich auf dem schlammigen Boden Betonplatten und andere Baustoffe. Auch eine Betonskulptur findet sich auf dem von zwei Hunden durchstreiften Gelände. Es handelt sich dabei um einen liegenden Frauenakt, der anstelle eines Kopfes einen riesigen Bienenstock besitzt.

Konzept zu Follow me

In Follow me habe ich die in Untilled aufgeworfenen Thematiken des Kontrollverlusts, der Bewusstseinserweiterung, der ins Unterbewusstsein verdrängten wüsten, animalischen Seite der menschlichen Psyche und des Todes mit Elementen der mesoamerikanischen Mythologie verflochten.

Durch den Konsum psychoaktiver Planzen wie der Salbeiart Salvia Divinorum oder dem Peyote-Kaktus glaubten die Azteken mit der Götterwelt in Verbindung treten zu können und auf der langen Reise durch die Unterwelt wurde man ihrer Vorstellung nach von einem Hund geführt. Auch hier benötigte man also die Hilfe von Flora und Fauna, um Zugang zu einer anderen Welt zu erlangen. Erst mit einem Hund an seiner Seite kam man in der Unterwelt weiter – nur wer dem Instinktiven vertraut, sich vom Animalischen leiten lässt, gelangt in die unteren Schichten des Bewusstseins. Dem Hund zu folgen und damit die Kontrolle abzugeben, hieße sich auf Verdrängtes einzulassen und nur wer sich diesem stellt, kann zur Ruhe kommen.

Beschreibung Follow me

Ein Blick, eine Aufforderung: Folge mir. Selbstbewusst sieht der kleine Hund im Zentrum des Bildes dem Betrachter ins Auge. Dabei wird er von säuberlich aufgeschichteten Steinplatten, neben und hinter denen bereits in Blüte stehendes Unkraut emporwächst, umrahmt. Wie der kleine Steinhaufen im Vordergrund, sind sie auf scheinbar nachlässige Weise lediglich schematisch dargestellt. Gewissermaßen eher identifizierbar als die Idee eines bestimmten Objektes und weniger als sinnlich erlebbare Materie. Und es ist klar: Diese von abstrakten Ideen geformte Welt lassen wir hinter uns, wenn wir uns dem Hund anvertrauen und, flankiert von den wild wuchernden Pflanzen, sein Terrain betreten. Dunkle blaugrüne Farbe verdichtet sich zu einer Art Wasserfläche. Schroffe Felswände erheben sich aus dem Wasser. Der Horizont ist düster und undurchdringlich, zieht uns aber gleichsam eigentümlich an. In das Bild eingeritzte aztekische Muster und Figuren tauchen aus all den Farbschichten hervor. Sie dominieren die Szenerie unterschwellig. Ihre bedrohliche Wirkung kündet von Gefahr und Grausamkeit. Brutal und auf rauschhafte Weise blutrünstig scheint es hier zuzugehen. Doch der Blick des kleinen Hundes hat uns fest im Griff: Vertrau mir.

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